Wie viel NEIN verträgt dein Kind?

Nein-Sagen in der richtigen Dosierung

Mama, wo ist mein Lieblings-T-Shirt?

Ich brauche noch 3 Hefte für die Schule!

Hast du meinen grünen Binder gesehen?

Alles sollst du im Griff haben,

jeder zerrt an dir,

du musst aber auch weg, denn du bist nach der Elternzeit zumindest halbtags wieder in deinem Beruf untergekommen.

Du bist gereizt.

Merkst, dass deine Nerven schon am Morgen dünn sind.

Du hast nicht so gut geschlafen.

Kennst du das, dass dir viel zu viele gestresste NEINS  über die Lippen kommen, da dir für Erklärungen die Zeit fehlt?

Wenn du wissen willst, wie du

  1. erkennst, wie viele Neins du pro Tag überhaupt aussprichst und
  2. wie du sie gezielter einsetzen kannst,

dann bleibe dran:

Hallo mein Name ist Christine Weidner von Zeit für mich Kraftquellen für gestresste Mütter.

Ich erzähle dir heute über die Stressfalle mit den lieben NEINS.

Es gibt zwei Formen des NEIN.

Beim ersten Nein geht es mir um das Nein, das mir einfach zu viel über die Lippen kommt. Bei kleinen Kindern, die noch viel Erziehung brauchen, ist man eher geneigt, das Gleichgewicht zu verlieren.

Nein, das darfst du nicht und nein, das auch nicht…

Als mein Sohn noch im Kindergarten war, wurde von der katholischen Kirche monatlich ein Erziehungsratgeber verschickt. Meine Freundin bekam dieses Heftchen regelmäßig und einmal war das Thema NEIN an der Reihe. Diesen Tipp setzten wir beide gleich um.

Der Tipp lautet: Liebe Mama, lieber Papa, nimm dir einen kleinen Zettel und Stift und stecke ihn in deine Hosentasche. Mache nun einen Tag lang immer dann einen Strich auf deinen Zettel, wenn dir ein „Nein“ herausgerutscht ist, wo es nicht wirklich angebracht war. 

Wir staunten nicht schlecht, als wir die große Zahl der Neins zählen mussten.

Warum war das so?

Klar hatten wir eine Erklärung

  • Entweder Beruf und Familie und damit Stress
  • Oder raus aus seinem geliebten Beruf und zu Hause überfordert
  • Keine Nerven
  • Überforderung als junge Familie
  • Alles bleibt an den Müttern hängen und somit überfordert und gereizt

Ach, es gibt und gab sooooo viele Gründe, warum wir schneller mit dem Nein waren, als unserem Kind zu erklären, warum es das ein oder andere eben nicht tun durfte.

Diese Übung heißt nicht, dass man nun mit dem Finger auf uns zeigt, weil wir so böse Mamas oder Papas sind, die nur stur mit einem aggressiven Nein ihren Willen durchsetzen wollen,

nein

wir sollen damit erkennen, dass wir in der Falle sitzen.

In der Falle, in der die Kinder nach Wegen suchen, um uns ein JA herauszulocken. Und wie du bestimmt mitbekommst, haben Kinder nicht nur eine sehr große Fantasie, sondern sie kennen das Wort Peinlichkeit gar nicht. Sie sind lustgesteuert und suchen nach ihrem Vorteil.

Das ist normal.

Doch ist es auch normal, dass Kinder an der Kasse so laut brüllen, bis sie bekommen was sie wollen?

Brüllen, heulen, Märchen erzählen…. Strategien gibt es da genug.

Und hier heißt es handeln- konsequent handeln- liebevoll handeln- diplomatisch handeln.

Wie habe ich das mit meinem Sohn gelöst?

Ganz einfach. Als er noch sehr klein war, haben wir vor dem Einkauf ausgemacht, dass er sich entweder ein Joghurt oder ein Obst kaufen darf. Also vor dem Einkauf klare Ansage erteilt.

Ein Kind bekommt nur eines mit, dass Menschen, die in einem Geschäft sind, einfach Ware in ihren Einkaufswagen legen, dann alles auf das Förderband legen, um es am Ende zu bezahlen. Wie soll es unterscheiden, dass man diese Dinge ja zum täglichen Leben braucht? Erkläre ich das im Vorfeld und gebe auch meinem Kind die Chance, etwas in den Wagen und dann auf das Förderband zu legen, bleibt das Geschrei vor dem Süßigkeiten-Regal bestimmt aus. Das Zauberwort ist hier, eine klare Absicht zu setzen und diese dann unbedingt einhalten. 

Nun zu meinem zweiten „Nein“

So viele „Neins“ die wir aussprechen, wenn unsere Kinder klein sind, so viele „Neins“ würden wir uns wünschen, wenn unsere Kinder älter werden. Denn das trauen wir Mütter uns teilweise nicht mehr wirklich zu.

Was steckt dahinter?

Warum sagen wir JA, obwohl wir viel lieber NEIN sagen wollen?

Ich kann nur von mir ausgehen, denn ich hatte fast mein ganzes Leben ein wirklich starkes Problem mit dem „Nein- Sagen“. Ein Frauenproblem?

Kannst du mir mal dies machen?

Kannst du mir mal das einkaufen?

Kannst du mich mal schnell dahin fahren?

Kannst du mich von dort abholen?

Kannst du mit mir Vokabeln lernen (alleine kann ich mich so schlecht motivieren)?

usw.

So und dann möchtest du etwas von deinem Partner oder deinem Kind und bekommst ein ganz schnelles, ganz hartes, ein ganz bestimmtes NEIN.

Dann stehst du da und verstehst die Welt nicht mehr.

Jetzt erzähle ich dir eine ganz spannende Metapher, die dir verdeutlicht, warum genau du das NEIN-SAGEN unbedingt lernen solltest. 

Denn ein NEIN an der richtigen Stelle ist immer auch ein JA für euch beide.

Wenn ein Schmetterling das Licht der Welt erblickt, hat er es ziemlich schwer. Mit all seinen Kräften muss er sich ein Loch in den Kokon bohren. Wissenschaftler wollten bei einem Versuch einem Schmetterling den Eintritt ins Leben erleichtern und vergrößerten ihm das Loch. So konnte der Schmetterling ohne Probleme schlüpfen.

Doch von diesem Moment fingen die Probleme für den Rest seines Lebens an. Er konnte zwar ohne Kraftaufwand schlüpfen, doch er konnte nicht fliegen!

Was war der Grund?

Beim Schlüpfen, so wie es die Natur vorgesehen hat, muss der kleine Schmetterling durch den Kraftaufwand des Bohrens Muskeln entwickeln, die er zum Fliegen benötigt. Nimmt man ihm die Probleme beim Schlüpfen, nimmt man ihm gleichzeitig die Chance jemals das Fliegen zu lernen.  

Den Selbstwert deines Kindes durch eine gekonnte Dosierung der NEINS stärken

Gerade wir Mütter neigen dazu, es unseren Kindern zu leicht zu machen.

Wie in dieser Metapher nehmen wir ihnen jedoch die Chance, sich wirklich zu entwickeln, sich wie ein Stein im Wasserbett rund zu schleifen.

Wenn du versuchst, dein Kind in Watte zu packen, sind die Kanten nicht sichtbar und du nimmst deinem Kind den Prozess des Wachsens, wie der Wissenschaftler dem Schmetterling die Muskelkraft für die Flügel genommen hat.

Wir haben einen Erziehungsauftrag und zu dem gehört ein gesundes Maß an NEINS.

Je früher du es schaffst, dein Kind selbständig zu erziehen, indem auch du bewusst dir ein JA gibst, desto mehr Wertschätzung wirst du damit säen und auch ernten.

Noch ein Tipp zum Schluss, wenn es nicht so schnell geht mit diesem Nein, dann erziehe dich dazu, dass du wenigstens bei zweimal NEIN einmal ein JA abgeben musst.

  1. Du schärfst den Moment für wichtige Neins, die erziehungstechnisch notwendig sind und
  2. die behindernden Neins, die deinem Kind die Chance rauben, sich auszuprobieren und Fehler zu machen, fallen endlich weg. So wie die Raupe ihre Flügelmuskeln stärken muss, um zu überleben, so muss auch dein Kind an seinen Fehlern lernen und reifen dürfen. 

Wie gehst du mit den NEINS um?

 

********************************************************************************************************

Christine Weidner Bild rund

Christine Weidner

Als Lernstrategie-Coach, Konzentrationstrainer, Dipl. System Coach für ADS/ADHS nehme ich Familien an die Hand, um sie durch den Schulalltags-Dschungel zu begleiten.

Inspiriert durch Erfahrungen im Umgang mit meinen Schülern und Eltern habe ich angefangen, Blogartikel zu schreiben. In der Hoffnung, viele Eltern durch meine Ideen zu inspirieren, lasse ich immer dann, wenn meine Herz schreiben will, einen Blogartikel entstehen.

Mein Wunsch ist es, dass ich viele Mütter/Väter unterstützen kann, mit ihren Erfahrungen rund um das Thema Schule und Erziehung, ausgeglichener umgehen zu können.

 

Hast du Lust auf Tipps und Tricks, wie du im Alltag deine Nerven trotz Beruf und Familie schonen kannst?

Dann klicke hier:  Ja, ich möchte.

6 Kommentare

  1. Danke für diesen schönen Artikel… Ja, mir geht das auch so mit meinen Kindern. Und ich habe schon viel besser gelernt nein zu sagen. Nich viel wichtiger ist, dass ich es auch so meine und dann stehen bleibe, auch wenn es den Kindern nicht passt. Und manchmal erkläre ich auch nicht. Das führt zu endlosen Diskussionen 😉
    Auf das ehrliche und konsequente nein kann dann ein ehrliches und herzliches ja folgen😆

    1. Vielen Dank für wunderbaren Tipp. Uns machten die Diskussionen oft so traurig und glauben, dass unsere Kinder uns dann auch böse sind, doch sie sind dankbar, für die Grenzen, die wir damit setzen.

    2. Liebe Nina,
      ich bin nun auch schon Oma geworden und denke mir oft, wenn ich so viel Informationen aus dem Internet gehabt hätte, wäre die Erziehung ein klein wenig anders verlaufen. Doch wenn ich meinen Sohn heute anschaue, dann hat das kleine Informationsheftchen damals auch schon etwas verändert. Ich gebe diesen tollen Tipp seither so gerne weiter.

  2. Liebe Christine,
    vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Ich bin zwar schon Oma, die Kids sind groß, doch ich kann mich noch so gut an die Zeit erinnern, als ich mit viel zu vielen NEINS unterwegs war. Als ich so gestresst war, dass ich dieses nein, auch noch böse zwischen den Zähnen durchgequetscht habe. Natürlich nur, um hinter ein riesiges schlechtes Gewissen zu haben und das JA war dann die direkte Konsequenz daraus.
    Ich werde meiner Tochter deine Seite empfehlen, ich hätte mich sehr gefreut, diese Tipps schon viele Jahre eher zu bekommen. Doch spät ist immer besser als nie:-)
    Lieben Dank und herzliche Grüße Ina

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.